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Mein Buch hat gut 350 Seiten. Den Film dazu haben wir zu zweit gemacht.

2. März 2026 · Anna-Mariia Kostiuk

Mein Buch hat gut 350 Seiten. Den Film dazu haben wir zu zweit gemacht.

Ich werde oft gefragt, ob ich meine Bücher mit KI schreibe. Die kurze Antwort: nein. Die lange Antwort ist eigentlich auch nein, aber sie erzählt nebenbei eine Geschichte, die ich ziemlich verrückt finde.

Ich habe über ein Jahr an meinem Roman geschrieben. „LeoZeit: Schatten“, gut 350 Seiten, Fantasy, Leonberg im Jahr 1614, eine Dreizehnjährige zwischen zwei Welten. Jede Szene habe ich selbst geschrieben. Nachts meistens, wenn Alicia — meine echte Alicia, nicht die im Buch — endlich geschlafen hat. Manchmal mit kaltem Kaffee, manchmal mit dem Gefühl, dass der Plot mich in eine Sackgasse geführt hat und ich drei Kapitel wegwerfen muss.

So schreibt man ein Buch. Da hilft keine KI. Eine KI kann Sätze bauen, klar. Aber sie weiß nicht, wie sich Leonberg im November anfühlt, wenn der Nebel so tief hängt, dass man das Schloss nur erahnen kann. Sie weiß nicht, warum ich ausgerechnet Herzogin Sibylla zur Figur gemacht habe. Sie kennt nicht das Gefühl, wenn man um drei Uhr morgens plötzlich weiß, wie das Kapitel enden muss — und nicht aufhören kann zu tippen.

Bücher brauchen einen Menschen. Das wird sich so schnell nicht ändern.

Aber dann kam der Film.

Mein erstes Kinderbuch, „Sonja und die Mondfee“, war fertig. Und Vitalii — mein Mann, Illustrator, Animationskünstler und der geduldigste Mensch, den ich kenne — sagte irgendwann: „Wir könnten daraus einen Film machen.“

Früher hätte ich gelacht. Ein Film? Wir zwei? Ohne Studio, ohne Budget, ohne Team? Das war eine Idee aus der Kategorie „schön wär\'s“.

Nur dass es heute keine Fantasie mehr ist. Mit KI-gestützter Animation haben wir einen Kurzfilm produziert. Vitalii hat jede Szene konzipiert, den visuellen Stil festgelegt, die Bildsprache bestimmt. Die KI war sein Werkzeug — nicht sein Ersatz. Und das Ergebnis war gut genug, um es beim World AI Film Festival in Cannes (waiff.com) einzureichen.

Cannes. Wir. Aus Leonberg.

Ich muss das manchmal noch selbst sacken lassen.

Und das ist der Punkt, über den ich eigentlich schreiben will: nicht über Technik, nicht über Algorithmen, sondern darüber, was das für Autoren bedeutet. Für alle Autoren.

Jeder Schriftsteller, den ich kenne, hat irgendwann davon geträumt, seine Geschichte verfilmt zu sehen. Die eigenen Figuren, die plötzlich laufen und sprechen und atmen. Bisher war das ein Traum, der von anderen abhing — von Verlagen, Produzenten, Leuten mit Geld und Kontakten. Man konnte jahrelang schreiben und hoffen und warten.

Das ändert sich gerade. Nicht theoretisch. Nicht „in Zukunft“. Jetzt. Ein Autor mit einer guten Geschichte und dem richtigen Partner kann seinen eigenen Film machen. Keine Erlaubnis nötig. Kein Warten auf den Anruf, der nie kommt.

Die Geschichte muss man trotzdem selbst erzählen. Die Seele muss man trotzdem selbst hineinlegen. Aber die Tür, die früher verschlossen war? Die steht offen.

Wir gehen durch.

Anna-Mariia Kostiuk lebt und schreibt in Leonberg. „LeoZeit: Schatten“ ist als Hardcover erschienen. Den KI-animierten Kurzfilm zu „Sonja und die Mondfee“ hat sie zusammen mit Vitalii Kostiuk produziert.

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